hörlandschaften

… und sie gibt ihm ihrer seele sinn …

(aus: Bildnis von Rainer Maria Rilke)

Konzeption

Landschaft, so hat das der Philosoph und Soziologe Georg Simmel schon vor 100 Jahren erklärt, ist eine Leistung unserer Wahrnehmung und unseres Bewusstseins. Dem endlosen Zusammenhang der Natur entnehmen wir einen Ausschnitt, umreißen und begrenzen ihn nach unserem Gesichtskreis und schaffen aus dem von uns willkürlich Begrenzten und seinen ebenso begrenzten Bestandteilen ein neues Ganzes, eine neue Einheit, dem wir einen eigenen Sinn, unseren Sinn zuweisen.

Wir sagen: eine Landschaft habe eine Stimmung – und verweisen damit genau auf „den eigentümlichen geistigen Prozess, der aus alledem erst die Landschaft erzeugt“ (G. Simmel). Wir schauen in die Gegend, genießen den Anblick grüner Wiesen, milder Hügel, schroffer Berge – und blenden aus, was uns „nicht ins Bild passt“: den Fabrikschlot rechts etwa oder die verkehrsreiche Straße drunter. Was wir als Landschaft bezeichnen, ist also das Ergebnis des Prozesses unsres Wahrnehmens, unsrer Stimmung wie unsrer Imagination.

Ins Kreative gewendet, assoziativ umgesetzt gipfelt dieser Prozess im Kunstwerk. Und zwar in allen Kunstgattungen. Als Landschaftsmalerei und Fotografie, als literarische Landschaftsschilderung, in Gedichtform, oder eben musikalisch als Komposition, als HörLandschaft.
Hörlandschaft kann bedeuten, eine Landschaft musikalisch zu schildern und nachzubilden. Oder einer Landschaft Klänge abzulauschen und daraus eine eigene HörLandschaft zu komponieren. Und natürlich: sich hörend aus Musik eine Landschaft zu imaginieren. (Hörlandschaften I „La Vallée des Mandailles“ und II „Saggat“, sowie „Nachklang I und II“)

Solche thematisch bezogenen Kompositionen ergeben ein sinnvolles Konzertprogramm und lassen sich mit Kunstwerken anderer Kunstgattungen, wie Fotos, Bildern, Texten, Essays in begleitenden Lesungen, Vorträgen und Ausstellungen zu breiteren Kunst-Ereignissen formen.